Die mysteriöse Katze (2)

[The Walking Dead Fanfiktion]

Kurz bevor die Blonde fliehen konnte, hatte Daryl sie gepackt und an sich gezogen. Keine Sekunde später löste sich ein Schuss.
Sofort wand sich die junge Frau und schaute hinter sich.
Ein menschlicher Körper fiel zu Boden. Dessen rechter Arm fehlte bereits und an einigen Stellen wirkte er angeknabbert. Dazu zierte jetzt noch ein großes Loch sein Kopf.
Ein perfekter Schuss ins Gehirn, anders konnte man diese Beißer sowieso nicht ausschalten.

„Wir müssen weg“, sagte sie knapp, stand auf und hielt ihm eine Hand hin. Widerwillig nahm er das Angebot an und ließ sich hochziehen. Ein kurzes Lächeln umspielte seine Lippen, als Daryl auffiel wie klein und zierlich eigentlich die Person war, die mit einer derartigen Kraft ihn hinaufzog. Erstaunlich.

„Komm“, forderte sie ihn auf und lief los.
„Meine Armbrust“, warf Daryl ein und schaute sich um. Er würde nicht ohne seine Armbrust gehen. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche. Er nahm ein Stock und durchstocherte das Wasser. Immer wieder wanderten ihre Blicke zur gegenüberliegenden Uferseite. Sein Brüllen und der Schuss würden sicherlich einige Beißer anziehen. Sie mussten sich beeilen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit spürte er etwas Hartes unter seinem Stock und griff ins Wasser. Jede seiner Bewegungen war mit großen Schmerzen verbunden, aber zumindest blutete es nicht mehr so stark.
„Hast du sie?“ fragte die Blonde und als Beweis zog er seine Armbrust aus dem Wasser.

Gemeinsam gingen sie zu dem Abhang, an dem er hinabstürzte. An den Spuren konnte er erkennen, dass sie ebenso den Weg nahm, aber bestimmt eleganter. Gegenseitig helfend kletterten sie hinauf und setzten sich erschöpft ins Laub. Eine Handvoll Beißer hatten sich im Wasser versammelt.

„Komm, wir müssen weiter“, fordert sie Daryl wieder auf und er nickte. Sie hatte Recht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ebenso versuchten den Berg hinauf zu klettern.
Vorsichtig schob sich die junge Frau unter seinen Arm und stützte ihn. Sie kamen so nicht schnell voran, aber zumindest mit sicherem Schritt.

„Warum hilfst du mir?“, fragte er nach.
„Sollte ich dich da unten liegen lassen?“ kam die Gegenfrage.
„Ich hätte es getan“, sagte Daryl ehrlich. Er schaute die Frau von der Seite an, wie sie konzentriert auf den Weg starrte.
„Ich hätte keine Sekunde gezögert und wäre einfach weiter gegangen“, fügte er hinzu, als von ihr keine Reaktion kam.
„Ich weiß“, sprach sie gleichgültig. „Ich habe dir Gründe gegeben, aber wenn jemand aus deiner Gruppe dort gelegen hätte, hättest du auch kein Moment gezögert.“
„Warum läufst du allein durch den Wald?“ fragte Daryl um das Thema zu ändern. Er fühlte sich schuldig für etwas, was er nicht einmal getan hatte.
„Warum reitest du allein durch den Wald?“ kam prompt wieder eine Gegenfrage. Offenbar wollte sie ihm keine Antwort geben.
„Ich suche ein Mädchen. Sie ist verschwunden.“
„Die kleine Blonde?“
„Ja, genau. Sophia. Wir waren auf dem Highway und als eine Welle Beißer vorbeizog, wurde sie entdeckt und ist in den Wald gerannt. Rick wollte sie retten, aber hat sie bei dem Versuch verloren.“
Warum erzählte er ihr gerade alles? Hatte er die leise Hoffnung, dass sie wusste wo das Mädchen ist? Doch es gab wieder keine Reaktion von ihr.

„Warum bist du nun allein unterwegs?“ Er wollte nicht locker lassen. Vielleicht hatte sie doch noch Informationen die nützlich waren. Er wollte Sophia unbedingt finden. Ein stechender Schmerz durchjagte seine Seite und sofort musste er stehen bleiben. Seine Retterin griff sofort fester zu und hielt ihn. Daryl gab sich ein Moment der Schwäche hin und legte sein Kopf auf ihre Schulter. Einfach etwas durchatmen und dann würde es schon wieder gehen, redete er sich gedanklich gut zu. In seiner Gedankenwelt hörte er immer weiter seinen Bruder wettern. Noch mehr, da er sich von einer kleinen Frau helfen ließ.

„Ich halte nicht viel von Menschen“, fing sie an mit erzählen, „Ich denke, umso größer die Gruppe ist umso größer sind die Probleme.“
„Und dennoch hilfst du mir“, sagte er und schaute ihr ins Gesicht. Sie lächelte ihn an. Ihm tat es gut, dass sie erzählte, während er sich ausruhte.
„Weiter?“
Während sie gemeinsam weiter liefen, sprachen sie kein Wort mehr. Es war für Daryl schon anstrengend genug zu laufen und er wollte nicht noch einmal den stechenden Schmerz in der Seite. Am Waldesrand blieben sie stehen. Er schaute sie irritiert an, da er eigentlich einfach weiter laufen wollte.
„Kommst du nicht mit?“ fragte er nach und sie schüttelte den Kopf. Langsam löste sie sich von ihm.
„Ich lass dich jetzt allein.“
„Du kannst wirklich mitkommen. Die anderen hätten bestimmt nichts dagegen“, versuchte Daryl sie zu überzeugen.
„Nein. Du schaffst das letzte Stück schon.“
Für einen kurzen Moment überlegte er und umarmte sie. Das mindeste was er in diesem Moment tun konnte. Etwas unbeholfen legte sie eine Hand auf sein Rücken und allgemein wirkte sie recht steif.
„Verrätst du mir deinen Namen?“ Er gab ihr ihre Waffe wieder, die er noch immer hatte.
„Ich wüsste nicht wozu das gut sei.“ Sie war wirklich ein Rätsel für sich. Einerseits war sie so menschensgut und hatte ihn gerettet und im nächsten Moment so distanziert.
„Falls ich dich noch einmal brauche?“
„Lass dir das ja nicht zur Gewohnheit werden!“ Ganz ernst nahm sie ihn aber nicht, da sie lächelte. Nach einigen Metern drehte sie sich noch einmal um und sagte: „Kat.“
„Danke, Kat. Danke für alles“, sagte Daryl und humpelte zu der Gruppe zurück, von der er heute früh losgezogen war.

Die mysteriöse Katze (1)

[The Walking Dead Fanfiktion]

Stimmengewirr hallte in dem Kopf des Mannes wieder, der halb auf einem Felsen und halb im Wasser lag. Immer wieder hörte er die Worte seines Bruders, der ihn beleidigte, weil er wie eine Pussy hier herumlag. Ließ sich einfach so hängen, lag bewusstlos herum und machte keine Anstalten wach zu werden.
Immer wieder ließ er sich beschimpfen, bewegte sich aber weiterhin kein Stück, als hätten die Worte des Mannes überhaupt keine Bedeutung. Er musste sich anhören, dass es gar nicht die Erziehung seines Bruders sei, wie er sich in diesem Moment verhält. Gedanklich fragte er sich plötzlich, welche Erziehung sein Bruder Merle meint. Er war nie da, hat ihn mit seinem Vater alleine gelassen, als er ihn mehr denn je brauchte.
Langsam kochte Wut in ihm auf. Natürlich liebte er seinen Bruder – es war halt sein Bruder, aber die Äußerungen machten ihn dennoch rasend vor Wut.

Plötzlich riss er die Augen auf und wollte seine Wut hinausschreien oder den Schreck, dass da jemand über ihn hockte. So schnell konnte er all seine Gedanken gar nicht zuordnen.
Alles tobte in ihm.
Sein Herz raste.

Die erste Vermutung lag nahe, dass es einer jener Beißer war.
Die toten Menschen die wieder auferstanden sind und nun nach Blut und frischem Fleisch trachten. Am liebsten natürlich Menschenfleisch, wodurch nur noch mehr Menschen zu jenen Beißern wurden. Beißer war eigentlich nur der nette Ausdruck für Zombies. Mittlerweile hatte er schon einige Bezeichnungen gehört. Beißer, Matschbirnen, kranke Menschen und doch hatte kaum jemand es fertig gebracht sie Zombies zu nennen.

Der Gedanke, dass die Person über ihm ein Beißer war, wurde sofort wiederlegt. Die warme Hand auf seinem Mund, damit er nicht losbrüllen konnte, war eindeutig die Hand einer lebenden Person.

„Sei bitte ruhig, Daryl“, erklang die sanfte, beruhigende Frauenstimme und schon wurde die Hand wieder weggenommen. Endlich klarte auch die Umgebung um den Mann auf.
Ihm wurde bewusst was geschehen war: Vor wenigen Minuten – er hoffte zumindest, dass es nur wenige Minuten waren – wurde er vom Pferd geschleudert und fiel diesen Abhang hinunter. Da er wie immer mit seiner Armbrust unterwegs war, geschah das Unglück und er stieß sich ein Pfeil in die Seite.
Diese Tatsache wurde ihm gerade umso schmerzlicher bewusst.

Die Frau beugte sich über ihn und musterte seine Kopfverletzung. Ihre Berührungen waren sehr vorsichtig, beinah zärtlich.
Sie kannte seinen Namen? Wie gebannt starrte er die Frau an und versuchte ihr Gesicht zuzuordnen. Diese warmen rehbraunen Augen, die blondgefärbten Haare die unter dem Basecap hervorblitzten und diese nahezu perfekte Haut. Ein Engel, könnte man fast meinen…

Engelsgleiche Erscheinung…

Ihm kam es bekannt vor. Wie vom Schlag getroffen, wurde ihm bewusst woher er diese Frau kannte. Sofort verfinsterte sich sein Blick.

„Deine Verletzung am Kopf ist nur eine kleine Platzwunde, aber deine Seite macht mir mehr Sorgen“, sprach sie weiter mit ihrer sanften, harmonischen Stimme. Eigentlich war ihre Stimme zu tief für sie, sie wirkte somit älter, als ihr Äußeres zeigte.
Daryl versuchte aufzustehen, von ihr weg, aber der Schmerz zwang ihn sofort wieder auf den Felsen.
„Zieh ihn einfach raus“, knurrte er. Sofort wanderten ihre braunen Augen zu seinem Gesicht, als würde sie schauen ob er es ernst meint.
Seine braunen Haare klebten ihn durch Schweiß, Blut und Wasser in der Stirn, die Augen waren zu schmalen Schlitzen zusammengepresst und allgemein hatte er sicherlich schon bessere Tage erlebt.
Der Abhang hatte seine Spuren hinterlassen: Überall Kratzer und Schlamm.

Die Blonde hockte sich auf seine Oberschenkel und griff nach dem abgebrochenen Pfeil.
„Oh Gott, ich kann sowas nicht…“, sagte sie. Es widerstrebte ihr in jeder Faser, einem wehrlosen Menschen noch mehr weh zu tun.

„TU ES!“, schrie Daryl sie an. In dem Moment wo er sie anbrüllte, zog sie mit aller Kraft und hatte den Pfeil in der Hand. Sofort krümmte er sich unter ihr und hatte seine Finger unbewusst an ihre Beine gekrallt.
Dem Verletzten wurde vor Schmerzen schwarz vor Augen und sein Kopf senkte sich wieder auf den nassen Felsen.

Das Blut breitete sich rasant unter ihm aus. Unbeirrt von ihm, drückte sie sofort eine Hand auf die Wunde und kramte in ihrem Rucksack nach Verbandsmaterial, aber fand nichts Passendes. Ungeschickt zupfte sie an ihrer dünnen Jacke und zog sie aus. Mit dem Stoff zwischen den Zähnen zog sie solange mit der freien Hand an der Jacke bis sie riss.

Nur halb nahm Daryl alles wahr und doch hatte er das Gefühl, dass die ganzen Ereignisse nur in weiter Ferne geschahen. Sein Blick driftete von ihr ab, doch schließlich schaute er wieder zu ihr. Das Blau seiner Augen wurde wieder klarer und kälter.
Die Frau erwiderte sein Blick. Sie hielt inne.

Daryl bewegte sich wieder mit gewohntem Geschick und Schnelle, zog er ihre Waffe aus ihre Hose. Nun war sie die Person, die von Panik erfasst wurde. Sie wollte aufstehen, aber so schnell konnte sie gar nicht reagieren.


Ein Schuss durchhallte den Wald.

Every day with Keith (1)

1. Tag mit Keith

Montag, 11. April

Wie jeden Morgen stand Rachel in dem kleinen Café, welches direkt in der Innenstadt gelegen war. Der perfekte Zwischenstopp, bevor sie zur Arbeit ging.
Ihr tägliches Ritual.

Zu dem täglichen Ritual gehörte der Kaffee aus diesem kleinen Laden – der ihrer Meinung nach der beste auf der Welt war – und natürlich die Musik die über auffälligen Kopfhörer in ihr Gehör drang. Im Großen und Ganzen war Rachel eine wirklich unauffällige Frau. Sie verhielt sich ruhig und war auch allgemein sehr darauf bedacht keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Leicht nickte sie zum Takt und beobachtete die Menschen um sie herum. Manchmal stellte sie sich die Unterhaltungen vor, die jene führten. Meist waren es lustige Geschichten die ihr dabei in den Sinn kamen, aber manchmal auch sehr traurige. Insgeheim ärgerte sich dann Rachel immer, wenn jemand durch die Traurigkeit und ihren noch traurigeren Gedanken, selbst traurig wurde.

Heute fanden ihre braunen Augen aber niemand, denen sie eine Geschichte widmete. Sie war einfach noch total müde, was man ihr auch ansehen konnte. Es war Montag morgen und ihrer Meinung nach war der Montag der Zerstörer aller Moral und Motivation.

Plötzlich wurde sie unsanft gestoßen. Sofort warf sie ein Blick nach hinten. Ein Blick der wohl jemand töten könnte. Sie hasste unnötige Berührungen und wenn es dann noch so ein grobes Stoßen war, hört bei ihr einfach der Spaß auf. Konnte man nicht aufpassen?

Der vermeintliche Täter sprach ein paar Worte und hob beschwichtigend die Hände. Eine Entschuldigung, davon ging Rachel einfach aus und schaute wieder weg. Sie konnte seine Worte nicht hören, weil sie noch immer ihre Kopfhörer trug.

Sicherlich war sie keine Frau der man zutrauen konnte, dass sie wirklich böse werden konnte. Sie hatte die schmale Figur und Größe einer Asiatin, welche sie von ihrer japanischen Großmutter geerbt hatte. Somit fast ein Niedlichkeitsfaktor und für Männer oft eine erotische Anziehungskraft.

Warum ging sie eigentlich immer in dieses kleine Café? Die engen Gänge schrien direkt danach, dass hin und wieder jemand einen stieß. Doch kaum hatte sie ihren Becher in der Hand, waren alle Gedanken vergessen. Der angenehme Geruch von frischen Kaffee kroch in ihre Nase und die Besitzerin, Katha, warf ihr ein Lächeln zu. Dieser Kaffee war wirklich einfach der Beste und so ein kleiner Laden musste unterstützt werden.

Rachel drehte sich um und schreckte zusammen. Innerlich stärker, als äußerlich erkennbar war. Der ungehobelte Kerl von gerade eben, stand direkt hinter ihr. Nun vor ihr. Mit großen Augen schaute sie ihn ein Moment an. Die Frisur! Er sah aus wie ein Teufel mit den Streifen auf seinem Kopf. Nur die zwei hochtrapierten Streifen waren vorhanden, ansonsten war der Rest abrasiert. Er würde sicherlich als Teufel durchgehen, wenn die Haare nicht in einem giftgrün gefärbt wären. Dazu kamen all die Tattoos, die sie sich nicht genauer anschaute.

Sofort schob sie in in eine Schublade. Die Schublade der Störenfriede dieser Welt. Jene denen alles egal war, die einfach machten was sie wollten und es nur um ihren Spaß ging. Das Grinsen auf seinem Gesicht verfestigte ihre Meinung umso mehr über ihn.

Er, der komische Kerl, trat ein Schritt zurück und bot ihr mit übertriebener höflichen Geste den Weg zum Gehen an. Ein kurzes, offensichtlich falsches Lächeln legte Rachel auf und schritt an ihm vorbei. Für was hielt er sich eigentlich?, dachte sie immer und immer wieder. Selbst als sie auf Arbeit ankam, dachte sie immer noch an den Mann. Mittlerweile konnte sie sich über Herrgott und die Welt aufregen, aber niemand würde ein Sterbenswörtchen von ihr hören.

Sicherlich würde er sich jetzt mit seinen Kumpel über sie lustig machen. Rachel war sich darüber ziemlich sicher. Was sollte solches Pack auch sonst anderes machen?

Tagebuch eines Traumgängers (2)

Teil: [1] [2]

– Notizbuch –

Erster Eintrag

Gestern, der 27. August 2010, fing wir ein schlechter Scherz an. So ein schlechter Scherz, dass ich das Gefühl habe, dass mein ganzes Leben aus den Rudern läuft und ich hiermit anfange ein Notizbuch zu führen. Aufgrund meines furchtbaren Gefühls in der Magengebend, habe ich noch am späten Abend entschlossen, mir ein kleines schwarzes unauffälliges Buch zu kaufen. Viele Menschen, würden es als Tagebuch bezeichnen, aber in einem Tagebuch sollte man fast täglich schreiben, doch ich werde nur die wichtigsten Fakten niederschreiben.

Es gab eine riesige Auswahl an diesen Büchlein. Wozu braucht man so eine gigantische Auswahl? Wollte jeder seine Individualität mit einem Notizbuch aufpeppen?

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Ich hörte am Morgen eine wohlbekannte dunkle Stimme aus meiner Vergangenheit und hätte mich am liebsten übergeben.
Coleman. Nathan Coleman, mein bester Freund und schlimmster Feind in einer Person.
„Bitte komm nach Liberty“, erklang seine Stimme und ich wusste nicht mehr wie ich mich fühlen sollte. Einerseits wollte ich diesen Mann nie mehr in meinem Leben hören, geschweige denn sehen, doch andererseits kam eine Bitte über seine Lippen. Nathan Coleman spricht mir gegenüber eine Bitte aus… Ich sagte ohne groß nachzudenken „Ja, mach ich“, obwohl ich in meinem Kopf ohne Unterlass „NEIN!“ schrie.

Leider stehe ich zu dem was ich sage und somit dauerte es nur noch wenige Stunden bis ich in einem Flieger nach Liberty Islands saß.

Noch bevor ich meine Wohnung verließ, schickte mir Nathan per Mail einige wichtige Daten die ich wissen musste. Nebenbei recherchierte ich selbst noch etwas im Internet.
Peter Jenks, Dark Soul, DaSo Corp., die Bandenkriege und einiges mehr fand ich und lernte es in kürzester Zeit auswendig. Im Flugzeug konnte ich mich nicht weiter darauf konzentrieren, da ich Fliegen einfach hasse.
Ich weiß nicht woher es kommt. In meinen Traumwelten befinde ich mich gern in einem Flugzeug, aber in der realen Welt bin ich kurz vorm Durchdrehen, sobald wenn ich einen Stahlvogel sehe.

Heute, am 27., ist also mein Ankunftstag. Ich bin ausgelaugt gewesen und bin es eigentlich momentan, während ich dies hier schreibe, immer noch. Ich hatte zu viel Input und dann dieser grässliche Flug. Vor ungefähr zwei Stunden habe ich mich mit Nathan getroffen.

Unser Treffpunkt war auf einer öffentlichen Straße und da ich zu zeitig ankam, wollte ich Nathan ein Spielchen unterjubeln.

Nathan Coleman… Ich komme immer noch nicht darüber hinweg. Er ist nun Präsident von Liberty Islands.
Wie konnte ein Mann seines Kalibers an die Macht gelangen?

Gerade als ich mir darüber Gedanken machen wollte, ob er sich geändert hatte, sah ich ihn und verwarf den Gedanken ganz schnell. Immer noch die gleiche arrogante Haltung. Immer noch das gleiche Lächeln welches einen das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Ich beobachtete ihn, wie er sich mit dem Grinsen umblickte auf der leeren Straße. Obwohl es abends war, sah man keine Menschen die nach getaner Arbeit ein paar Bierchen kippen wollten oder was sie sonst so in ihrer Freizeit taten. Nebel zog sich durch die Gassen und dank der Straßenlaternen hüllte es die Stadt in ein seltsames, nahezu gespenstiges, Licht. „Hallo Arthur“, drang es durch die leeren Straßen und sofort verflüchtigte sich der Nebel. Kaum war der Nebel verschwunden, wurde die Stadt schlagartig belebt. Ohne mich zu sehen, wusste er sofort, dass ich es war.

Wir wechselten einige Worte, wie wir es immer taten: Leicht neckend und dennoch freundlich, wenn auch etwas distanzierter. Schließlich durfte ich von seinem Büro aus, noch die Skyline von Liberty Islands betrachten und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es war einfach der Wahnsinn! Kaum hatte ich sein Büro betreten, hatte ich das Gefühl zu träumen. Welche Ironie….

Man konnte von dort aus die drei Inseln betrachten die zu Liberty gehören und selbst die Brücke die nach Sandfield führte nahm ein Ende, was man sonst nie sah – wenn man dem Internet glaubte.
So eine Aussicht hatte ich lange nicht mehr gesehen. Nathan ließ mir etwas Zeit, bevor er mich in seine Angelegenheiten einführte, weswegen ich auch eigentlich hier bin. Er meinte, dass ich mich mit um seine Stadt kümmern soll. Ich war perplex, was er wohl spürte und hörte, denn ich war sprachlos. So hatte er mich noch nie erlebt.

Die Finanzen sollten kontrolliert werden und vieles mehr. Besonders das ‘vieles mehr’ bereitete mir große Sorgen…

Teil: [1] [2]

Das Tagebuch eines Traumgängers (1)

Teil: [1] [2]

– Prolog –

Alles war so vertraut. Jedes kleinste Detail dieses Zimmers war voller Liebe und Achtsamkeit eingerichtet. Ein kleiner Globus auf dem schweren Eichenschrank, dazu der mächtige Arbeitstisch der den Großteil des Raumes einnahm. Trotz das der Mensch, mit dem ich so viele Stunden meines Lebens verbrachte, ein sehr moderner Mensch war, so liebte er es dennoch in diesen doch sehr dunklen Raum zu arbeiten. „Ich kann mich hier besser konzentrieren“, sagte er einst zu mir, als ich mich wunderte warum er diese altmodischen Möbel noch behielt. Mein Chef war wirklich eine Klasse für sich. Ich liebte es, wenn er hinter seinen Aktenstapeln saß und dennoch Zeit fand um einige stichelnde Kommentare los zu werden, über die Welt und alles was ihn noch so beschäftigte. Nicht das er griesgrämig war, aber ich glaube er hatte einfach zu viele Stunden allein verbracht und somit konnte er sich zu häufig Gedanken machen.

Nun war sein Stuhl leer. Die Zeiten waren vorbei. Wir haben uns gestritten, wir haben uns vertragen und hatten viel Spaß miteinander. Er war für mich wie der Iron Man für Pepper Potts. Ich habe wirklich alles getan, wenn er mich nur darum gebeten hatte und er hatte eine Art seine Dankbarkeit zu zeigen die mir noch immer beim bloßen Gedanke eine Gänsehaut auf die Haut zaubert. Dieses charmante Lächeln welches Grübchen in seinen Wangen hinterließ war einfach atemberaubend. Ja, wenn man das hört, könnte man meinen, dass ich in meinen Chef verliebt war.

Langsam schritt ich durch sein Büro um noch einmal all die Details anzuschauen die sich hier verbargen, denen ich bis langen nie Beachtung gegeben habe. Zärtlich strichen meine schlanken Finger über das Highboard, bevor ich um sein Schreibtisch herum ging. Meine Augen fixierten einen bestimmten Punkt auf den Schreibtisch. Da lag ein kleines schwarzes und sehr unauffälliges Büchlein. Vorsichtig, als könnte ich jemand stören, ließ ich mich auf den Chefsessel nieder und schlug nach kurzen Überlegen das Büchlein auf. Ein Lächeln, was sich fast schon ungewohnt anfühlte nach all den Tagen ohne einen freudigen Moment, breitete sich auf meinen Lippen aus. Ich erkannte sofort die schöne Schrift von meinem Chef. Er verschnörkelte gern den ersten Buchstaben und es sah fast schon wie ein Kunstwerk aus, es war einfach harmonisch und somit schön, trotz dass kein Buchstabe den anderen glich. Flink huschten meine Augen über das Papier und ich sog förmlich die Worte in mir auf. In meinem Kopf hörte ich seine Stimme in all seinen Facetten.

Stundenlang saß ich hier und es gab keine Welt mehr außer dieses kleine Buch. Ich lachte und war ernst, doch die letzte Seiten ließ Tränen in meine Augen aufsteigen…

Teil: [1] [2]