Every day with Keith (1)

1. Tag mit Keith

Montag, 11. April

Wie jeden Morgen stand Rachel in dem kleinen Café, welches direkt in der Innenstadt gelegen war. Der perfekte Zwischenstopp, bevor sie zur Arbeit ging.
Ihr tägliches Ritual.

Zu dem täglichen Ritual gehörte der Kaffee aus diesem kleinen Laden – der ihrer Meinung nach der beste auf der Welt war – und natürlich die Musik die über auffälligen Kopfhörer in ihr Gehör drang. Im Großen und Ganzen war Rachel eine wirklich unauffällige Frau. Sie verhielt sich ruhig und war auch allgemein sehr darauf bedacht keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Leicht nickte sie zum Takt und beobachtete die Menschen um sie herum. Manchmal stellte sie sich die Unterhaltungen vor, die jene führten. Meist waren es lustige Geschichten die ihr dabei in den Sinn kamen, aber manchmal auch sehr traurige. Insgeheim ärgerte sich dann Rachel immer, wenn jemand durch die Traurigkeit und ihren noch traurigeren Gedanken, selbst traurig wurde.

Heute fanden ihre braunen Augen aber niemand, denen sie eine Geschichte widmete. Sie war einfach noch total müde, was man ihr auch ansehen konnte. Es war Montag morgen und ihrer Meinung nach war der Montag der Zerstörer aller Moral und Motivation.

Plötzlich wurde sie unsanft gestoßen. Sofort warf sie ein Blick nach hinten. Ein Blick der wohl jemand töten könnte. Sie hasste unnötige Berührungen und wenn es dann noch so ein grobes Stoßen war, hört bei ihr einfach der Spaß auf. Konnte man nicht aufpassen?

Der vermeintliche Täter sprach ein paar Worte und hob beschwichtigend die Hände. Eine Entschuldigung, davon ging Rachel einfach aus und schaute wieder weg. Sie konnte seine Worte nicht hören, weil sie noch immer ihre Kopfhörer trug.

Sicherlich war sie keine Frau der man zutrauen konnte, dass sie wirklich böse werden konnte. Sie hatte die schmale Figur und Größe einer Asiatin, welche sie von ihrer japanischen Großmutter geerbt hatte. Somit fast ein Niedlichkeitsfaktor und für Männer oft eine erotische Anziehungskraft.

Warum ging sie eigentlich immer in dieses kleine Café? Die engen Gänge schrien direkt danach, dass hin und wieder jemand einen stieß. Doch kaum hatte sie ihren Becher in der Hand, waren alle Gedanken vergessen. Der angenehme Geruch von frischen Kaffee kroch in ihre Nase und die Besitzerin, Katha, warf ihr ein Lächeln zu. Dieser Kaffee war wirklich einfach der Beste und so ein kleiner Laden musste unterstützt werden.

Rachel drehte sich um und schreckte zusammen. Innerlich stärker, als äußerlich erkennbar war. Der ungehobelte Kerl von gerade eben, stand direkt hinter ihr. Nun vor ihr. Mit großen Augen schaute sie ihn ein Moment an. Die Frisur! Er sah aus wie ein Teufel mit den Streifen auf seinem Kopf. Nur die zwei hochtrapierten Streifen waren vorhanden, ansonsten war der Rest abrasiert. Er würde sicherlich als Teufel durchgehen, wenn die Haare nicht in einem giftgrün gefärbt wären. Dazu kamen all die Tattoos, die sie sich nicht genauer anschaute.

Sofort schob sie in in eine Schublade. Die Schublade der Störenfriede dieser Welt. Jene denen alles egal war, die einfach machten was sie wollten und es nur um ihren Spaß ging. Das Grinsen auf seinem Gesicht verfestigte ihre Meinung umso mehr über ihn.

Er, der komische Kerl, trat ein Schritt zurück und bot ihr mit übertriebener höflichen Geste den Weg zum Gehen an. Ein kurzes, offensichtlich falsches Lächeln legte Rachel auf und schritt an ihm vorbei. Für was hielt er sich eigentlich?, dachte sie immer und immer wieder. Selbst als sie auf Arbeit ankam, dachte sie immer noch an den Mann. Mittlerweile konnte sie sich über Herrgott und die Welt aufregen, aber niemand würde ein Sterbenswörtchen von ihr hören.

Sicherlich würde er sich jetzt mit seinen Kumpel über sie lustig machen. Rachel war sich darüber ziemlich sicher. Was sollte solches Pack auch sonst anderes machen?