Zombieapokalypse

“Ganz schön viel Chaos!”, rief ein Autofahrer von der Gegenfahrbahn durch unser offenes Fenster.
“Ja, alle verrückt”, antwortet mein Freund, der hinter dem Lenkrad sitzt. Rini und ich sitzen auf der Rückbank und beobachten das Spektakel um uns herum.
“Man möchte nicht der Bombenfinder sein”, sagt der Mann.
“Ja”, sagen darul und ich aus einem Munde und lachten.
“Glaubt es mir! Ich habe sie schließlich gefunden.” Wir waren sprachlos. “Ja, wirklich!”, beteuerte der Mann.

 

Doch wollen wir von vorn anfangen:

Ich liebe Zombies und erst recht Zombieapokalypsen. Bereits lange vor Walking Dead faszinierte mich dieses Thema. Ich glaube spätestens nach 28 Days Later war diese Faszination da und viele können nur den Kopf schütteln. Es verhält sich ähnlich, wie meine Verrücktheit zu Katzen. Umso älter ich werde, umso schlimmer wird es!

Manchmal frage ich mich, wie es wohl sein würde, wenn so eine Katastrophe über Chemnitz heimfallen würde. Wie lange würden wir überleben? Würden wir plündern (hoffentlich!)? Wie lange würden unsere Vorräte reichen?

Am Dienstag, den 25.1o.2o16, trat eine andere Ausnahmesituation ein: Meine Kollegin berichtet von ihrem Freund, der erzählte, dass eine Fliegerbombe in Chemnitz gefunden wurde. Sofort wurde wild drauflos gegoogelt und der Ticker der Freien Presse verfolgt. Immer wieder aktualisierten wir ihn um auf dem laufenden zu bleiben.

Hier der Ticker!

Wenn jemand etwas über den Ablauf wissen möchte, so kann er gern da nachlesen. Vieles war zum Kopf schütteln, erst recht wenn man mittendrin war. Als ich zumindest gehört habe, dass 15:30 Uhr die Evakuierung beginnen soll, bin ich vorzeitig von der Arbeit aufgebrochen. Gerüchte zufolge sollte es eine Splitterbombe sein und der Radius wurde von 500 Meter auf 1000 Meter erweitert. Bei 500 Meter wäre es nur die Kita gewesen, aber nicht unser Wohnhaus.

Zuhause angekommen, wurden die Taschen gepackt für den Ernstfall. Die meiste Information ging über Internet. Twitter um genau zu sein. Dementsprechend wussten es gar nicht soviele. Bestimmt war vieles “Buschfunk” gewesen. Kollegen, Familie, Freunde die einen auf den laufenden hielten, aber genügend standen vor einer Absperrung.

Dann wurde es ernst: Alle sollen im Sperrgebiet die Wohnungen verlassen. Licht sei auszuschalten, damit die Polizei sehen kann ob das Haus wirklich leer ist. Wir setzten uns ins Auto und fuhren Richtung Mittweida zu meinen Schwiegereltern in spe. Es dauerte ewig! Viele Menschen versuchten in die Stadt zu gelangen und hielten somit den Verkehr auf, der hinaus wollte. Sie ignorierten Straßensperren. Stritten sich mit Polizisten herum.
Da sperrte die Polizei die Linksabbiegerspur ab und was machen die Leute? Fahren auf der Rechtsabbiegerspur und biegen dann einfach links ab. Direkt auf die Polizei zu und blockieren somit die Kreuzung, weil sie nicht verstehen wollen, dass sie nicht in die Stadt dürfen. Wer den Ticker nicht gelesen hat: Eine Beamtin wurde sogar verletzt, weil sich jemand geweigert hat zu gehen. Unfassbar!

Bereits bei der ersten Straßensperre standen wir eine Weile und ein Polizist deutete uns an, wir sollen das Fenster herunter machen. Aber er sagte uns nichts Wichtiges. Er beklagte sich nur wie schlecht alles organisiert wurde und das es kein Wunder ist, wenn so ein Chaos entsteht. Wir konnten weiter fahren, nach dem er von einer Beamtin gerufen wurde, weil sie nicht allein 4 Straßen überblicken kann.

Ein paar Meter weiter standen wir wieder da und unser Fenster war noch unten. Deswegen entstand das Gespräch mit dem ich diesen Blogeintrag begonnen habe. Der Bauarbeiter hatte einen guten Tag. Ich würde sogar Glückstag nennen. Die Bombe hätte genauso gut hochgehen können.

Wir haben zumindest einen ruhigen Abend bei den Schwiegereltern verbracht und am nächsten Tag konnten wir wieder nach Chemnitz zurückkehren. Rini in die Kita, ich auf Arbeit und darul verbrachte den Tag krank zuhause. Alles war wieder beim Alten:

Die Normalität war zurück, als wäre sie nie weggewesen.

 

P.S.: Mit Zombies wäre es also total verrückt!

7 Kommentare zu “Zombieapokalypse

  1. Oh ja, so was kann ganz schön chaotisch werden! Aber zum Glück ging ja alles gut bei Euch!

    Als ich noch in Potsdam gearbeitet habe, war direkt gegenüber meiner Arbeitsstelle eine riesige Baustelle. Dort haben sie mit Abstand von ein paar Monaten mehrere Bomben gefunden. Beim ersten Fund wurde das Gebiet weiträumig abgesperrt und es flossen leider gar keine Informationen und ich stand frühmorgens vor der Absperrung und wurde nicht zu meiner Arbeitsstelle gelassen… Chefin war auch nicht telefonisch zu erreichen. Die Kollegin deren Nummer ich hatte waren ebenso ratlos, kamen nur an einer anderen Ecke von Potsdam nicht weiter…Was also tun? Keiner konnte/durfte sagen was los war, geschweige denn wie lange es dauern würde. Das war ätzend. Warten ohne Sinn und Verstand. Ab dem zweiten Fund wurde es entspannter und routinierter – auf Arbeit wurden Informationsketten gebildet und wenn wir mitten am Tag mal wieder das Gebäude evakuieren mussten, sind wir dann Eis essen gegangen. ^^

  2. Oh ja darüber hab ich auch schon oft nachgedacht….ob zB die Wohnung sicher wäre oder wie lange man noch Strom hat und das mit den Lebensmitteln klappt…aber bei the Walking Dead gibt’s viele Tipps hihi

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