Tagebuch eines Traumgängers (2)

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– Notizbuch –

Erster Eintrag

Gestern, der 27. August 2010, fing wir ein schlechter Scherz an. So ein schlechter Scherz, dass ich das Gefühl habe, dass mein ganzes Leben aus den Rudern läuft und ich hiermit anfange ein Notizbuch zu führen. Aufgrund meines furchtbaren Gefühls in der Magengebend, habe ich noch am späten Abend entschlossen, mir ein kleines schwarzes unauffälliges Buch zu kaufen. Viele Menschen, würden es als Tagebuch bezeichnen, aber in einem Tagebuch sollte man fast täglich schreiben, doch ich werde nur die wichtigsten Fakten niederschreiben.

Es gab eine riesige Auswahl an diesen Büchlein. Wozu braucht man so eine gigantische Auswahl? Wollte jeder seine Individualität mit einem Notizbuch aufpeppen?

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Ich hörte am Morgen eine wohlbekannte dunkle Stimme aus meiner Vergangenheit und hätte mich am liebsten übergeben.
Coleman. Nathan Coleman, mein bester Freund und schlimmster Feind in einer Person.
„Bitte komm nach Liberty“, erklang seine Stimme und ich wusste nicht mehr wie ich mich fühlen sollte. Einerseits wollte ich diesen Mann nie mehr in meinem Leben hören, geschweige denn sehen, doch andererseits kam eine Bitte über seine Lippen. Nathan Coleman spricht mir gegenüber eine Bitte aus… Ich sagte ohne groß nachzudenken „Ja, mach ich“, obwohl ich in meinem Kopf ohne Unterlass „NEIN!“ schrie.

Leider stehe ich zu dem was ich sage und somit dauerte es nur noch wenige Stunden bis ich in einem Flieger nach Liberty Islands saß.

Noch bevor ich meine Wohnung verließ, schickte mir Nathan per Mail einige wichtige Daten die ich wissen musste. Nebenbei recherchierte ich selbst noch etwas im Internet.
Peter Jenks, Dark Soul, DaSo Corp., die Bandenkriege und einiges mehr fand ich und lernte es in kürzester Zeit auswendig. Im Flugzeug konnte ich mich nicht weiter darauf konzentrieren, da ich Fliegen einfach hasse.
Ich weiß nicht woher es kommt. In meinen Traumwelten befinde ich mich gern in einem Flugzeug, aber in der realen Welt bin ich kurz vorm Durchdrehen, sobald wenn ich einen Stahlvogel sehe.

Heute, am 27., ist also mein Ankunftstag. Ich bin ausgelaugt gewesen und bin es eigentlich momentan, während ich dies hier schreibe, immer noch. Ich hatte zu viel Input und dann dieser grässliche Flug. Vor ungefähr zwei Stunden habe ich mich mit Nathan getroffen.

Unser Treffpunkt war auf einer öffentlichen Straße und da ich zu zeitig ankam, wollte ich Nathan ein Spielchen unterjubeln.

Nathan Coleman… Ich komme immer noch nicht darüber hinweg. Er ist nun Präsident von Liberty Islands.
Wie konnte ein Mann seines Kalibers an die Macht gelangen?

Gerade als ich mir darüber Gedanken machen wollte, ob er sich geändert hatte, sah ich ihn und verwarf den Gedanken ganz schnell. Immer noch die gleiche arrogante Haltung. Immer noch das gleiche Lächeln welches einen das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Ich beobachtete ihn, wie er sich mit dem Grinsen umblickte auf der leeren Straße. Obwohl es abends war, sah man keine Menschen die nach getaner Arbeit ein paar Bierchen kippen wollten oder was sie sonst so in ihrer Freizeit taten. Nebel zog sich durch die Gassen und dank der Straßenlaternen hüllte es die Stadt in ein seltsames, nahezu gespenstiges, Licht. „Hallo Arthur“, drang es durch die leeren Straßen und sofort verflüchtigte sich der Nebel. Kaum war der Nebel verschwunden, wurde die Stadt schlagartig belebt. Ohne mich zu sehen, wusste er sofort, dass ich es war.

Wir wechselten einige Worte, wie wir es immer taten: Leicht neckend und dennoch freundlich, wenn auch etwas distanzierter. Schließlich durfte ich von seinem Büro aus, noch die Skyline von Liberty Islands betrachten und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es war einfach der Wahnsinn! Kaum hatte ich sein Büro betreten, hatte ich das Gefühl zu träumen. Welche Ironie….

Man konnte von dort aus die drei Inseln betrachten die zu Liberty gehören und selbst die Brücke die nach Sandfield führte nahm ein Ende, was man sonst nie sah – wenn man dem Internet glaubte.
So eine Aussicht hatte ich lange nicht mehr gesehen. Nathan ließ mir etwas Zeit, bevor er mich in seine Angelegenheiten einführte, weswegen ich auch eigentlich hier bin. Er meinte, dass ich mich mit um seine Stadt kümmern soll. Ich war perplex, was er wohl spürte und hörte, denn ich war sprachlos. So hatte er mich noch nie erlebt.

Die Finanzen sollten kontrolliert werden und vieles mehr. Besonders das ‘vieles mehr’ bereitete mir große Sorgen…

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